Zuletzt aktualisiert: 07.02.2026 Veröffentlicht am: 04.02.2026
Die Situation 2026
Ja, wo steht der Frauenfussball aktuell?
Diese wichtige Frage muss nach der fantastischen Frauenfussball EM 2025 gestellt werden.
Erinnerst Du Dich auch so gerne zurück an dieses wunderbare Turnier?
Ach du meine Güte, was war das für ein Sommer!
Die Frauenfussball-EM 2025 – mitten in unserer schönen Schweiz!
Eine EM zwischen Fondue, Fangesängen und fliegenden Holländerinnen.
Vom 2. bis 27. Juli rollte der Ball quer durchs Land, von Basel bis Sion, und plötzlich sprach sogar der Bäcker beim Gipfeli nicht mehr nur über das Wetter, sondern auch über Pressing, Offiside und Last-Minute-Tore.
Eine EM mit vielen Rekorden
- Neuer Zuschauerrekord: Bereits nach den beiden Halbfinals wurde mit 623'088 Fans der bisherige Rekord von der EURO 2022 in England mit damals total 574'865 Fans gebrochen.
- Höchste Zuschauerzahl in einem Gruppenspiel ohne Beteiligung des Veranstalters: Dieser Rekord wurde gleich zweimal gebrochen. Zuerst im Spiel zwischen Spanien und Portugal in Bern mit 29'520 Zuschauern und dann im Spiel Deutschland gegen Dänemark in Basel mit 34'165 Zuschauern.
- Höchste Anzahl Auswärtsfans bei einem Frauenspiel an einer Frauen EM: Beim Spiel gegen Dänemark wurden die Deutschen Frauen von mehr als 17'000 eigenen Fans unterstützt.
- Zuschauerrekord bei einem Spiel der Schweizer Frauen-Nati: Aufgestellt wurde dieser beim Spiel Schweiz gegen Norwegen in Basel mit 34'063 Fans.
- Rekord Zuschauerschnitt: Dieser betrug 19'233 pro Spiel.
Der Frauenfussball ist definitiv in der Gesellschaft angekommen
Bei den High Light Events und Spielen ist der Frauenfussball definitiv in der Gesellschaft angekommen und akzeptiert.
Die ungleiche Spielintensität zwischen dem Männer- und dem Frauen- Fussball spielt keine Rolle, wenn die Spiele Spektakel bieten, spannend sind und voller Einsatz gegeben wird.
So gesehen ist Fussball einfach Fussball und das ist gut so.
Der erhoffte Boom blieb aus
Der Frauenfussball nach der EM 2025 boomt nicht, sondern wächst weiterhin kontinuierlich. Schön zu sehen ist dies im Liga-Alltag. Da gibt es keine explodierenden Zuschauerzahlen, dafür anhaltendes Wachstum.
Und auch das ist auch gut so, denn nachhaltiges und kontinuierliches Wachstum ist für den Frauenfussball besser als eine kurze und extreme Boom-Phase, nach der alles wieder zusammenbricht.
Ein strohfeuerartiger Höhenflug schadet jedem gesunden mittel- bis langfristigen- Aufbau mehr als er nützt. Dieses kontinuierliche Wachstum ist die Chance für eine gesunde und nachhaltige Entwicklung.
Das Wachstumspotential ist enorm
Das enorme Wachstumspotential haben auch die Verbände und die Vereine festgestellt und investieren gewaltig in den Frauenfussball.
Aber, es braucht mehr Unterstützung und nicht einfach mehr Geld, denn Förderung beginnt an der Basis.
Jetzt denkst Du vielleicht: «Was kannst ich da schon gross tun?»
Schliesslich fördern alle grossen Fussballverbände wie die FIFA, die UEFA, der DFB, der ÖFB und der SFV den Frauenfussball aktiv.
Und, sie lassen sich dies auch echt was kosten.
Neue Stellen wurden geschaffen und Milliarden werden über die nächsten Jahre investiert.
Jetzt denkst Du sicher: «Also alles gut so, mich braucht es ja gar nicht mehr.»
Falsch gedacht!
Weil, ohne Deine Unterstützung an der Basis wird es nie einen blühenden Frauenfussball geben.
Da können die Verbände und Vereine noch so viele Stellen schaffen und Geld aufwerfen.
Wenn nicht Leute wie Du an der Basis mithelfen, dann ist dies alles so sinnlos wie der Versuch mit einem Teelöffel voll Wasser einen Grossbrand zu löschen.
Die beiden grössten Probleme
1. Die Frauen fehlen
Um den Frauenfussball nachhaltig voranzubringen ist es entscheidend, dass mehr Frauen auf allen Stufen aktiv mitwirken. Dies beinhaltet eine Steigerung der (weiblichen) Fangemeinschaft bei Frauenspielen, die Mitarbeit von Frauen als Trainerinnen und weiblichen Vereinsfunktionärinnen.
Es braucht Frauen die bereit sind, den Mädchen- und Frauenfussball mit Taten und nicht bloss mit schönen Worten oder mit «Gratis-Mut» vorgetragenen Forderungen voranzubringen.
Sowohl in den Dorfvereinen als auch bei den Profivereinen, welche oftmals an ihren Kapazitätsgrenzen arbeiten, sind die sich aktiv einbringenden Frauen noch stark untervertreten.
Es ist wichtig, dass sich die Frauen aktiv in die Entwicklung des aufstrebenden Frauenfussballs einbringen, denn ohne zusätzliche Frauenpower wird es nicht gelingen.
2. Unkenntnis und Ignoranz von Marktmechanismen
Eine nicht geringe Zahl von Exponentinnen, und zum Teil auch Exponenten, des Frauenfussballs werden nicht müde darin zu betonen, dass im Frauenfussball weniger verdient werden kann als im Männerfussball.
Wer diesbezüglich etwas verändern will, muss die Marktmechanismen kennen und bereit sein die notwendigen Schritte abzuarbeiten.
Zu den Marktmechanismen muss man erstens wissen: Dass Leistung eine erbrachte Arbeit pro Zeiteinheit ist.
Und zweitens, dass die mögliche Höhe einer Bezahlung nebst der Leistung von der effektiven Marktnachfrage abhängig ist.
Denn es ist nur eine gleiche Bezahlung für dieselbe im freien Markt nachgefragte Leistung, sprich Vermarktbarkeit, auf Dauer finanzierbar.
Globale Zukunftsaussichten
Die Konzepte stehen, die Gelder sind bereitgestellt.
Nun gilt es den Weiterentwicklungsprozess mit der notwendigen Geduld und Ausdauer Schritt für Schritt anzugehen.
Zur Erinnerung; Auch der Männerfussball musste sich seine heutige Stellung und Akzeptanz erst Schritt für Schritt erarbeiten.
So wurde z.B. der (Männer) Fussball 1898 in Deutschland noch als "Fusslümmelei" als "englische Krankheit" und als "Stauchballspiel" betitelt. Aussagen, welche man sich heute auf Grund der Popularität gar nicht mehr vorstellen kann.
Alles in Allem ist die Weiterentwicklung des Frauenfussballs über die Selbstfinanzierung die nachhaltigste und langfristig beste Lösung für einen gesundes Wachstum.
Prognose für die einzelnen Länder im DACHLi-Raum
Wie bereits in Bezug auf den Globalen Frauenfussball erwähnt, gehe ich für den Frauenfussball im DACHLi-Raum von einer ähnlich positiven Entwicklung aus.
Zu Österreich
Wirtschaftlicher Trend: stabil wachsend, aber strukturell klein.
Zentrale Entwicklungen
- Liga bleibt finanziell überschaubar; viele Spielerinnen semiprofessionell.
- Mehr Kooperationen mit Männervereinen → bessere Infrastruktur.
- Nachwuchsprogramme und UEFA-Förderungen treiben Entwicklung voran.
Ökonomische Dynamik
- Sponsoring lokal geprägt.
- Geringe TV-Einnahmen, kleinere Zuschauerzahlen.
- Fokus auf Talententwicklung statt kommerzieller Expansion.
Herausforderungen
- Finanzielle Nachhaltigkeit einzelner Vereine.
- Professionalisierungskosten vs. Einnahmenbasis.
Prognose bis 2030
- Moderates Liga-Wachstum.
- Fokus auf Ausbildung.
- Es wird noch vermehrt zu Kooperationen mit Männerclubs kommen.
Gründe
- Starke Nachwuchsarbeit.
- Nationalteam als Zugpferd.
- Steigende Investitionen auf allen Stufen.
Erwartete Entwicklung
- Wirtschaftliches Wachstum: moderat.
- Internationale Präsenz: zunehmend.
- Talentexport: sehr hoch.
Österreich bleibt ein Talentmotor und wächst strukturell gesund – wirtschaftlich kleiner, aber sportlich relevant.
Zur Schweiz
Wirtschaftlicher Trend: stark wachsend durch Events & Imagewandel.
Zentrale Entwicklungen
- Mehr Medienpräsenz durch Grossereignisse und Nati-Erfolge.
- Der SFV mit den Regional-Verbänden investieren stärker in Liga-Strukturen.
- Sponsoring und Zuschauerzahlen steigen langsam, aber stetig.
Ökonomische Dynamik
- Noch mehr Kooperationen mit Männerclubs → Professionalisierungsschub.
- Zunehmendes Sponsoring-Interesse von regionalen Unternehmen.
- Stärkere Förderung durch Verbände und europäische Programme.
Herausforderungen
- Kleiner Markt → begrenzte kommerzielle Skalierung.
- Infrastrukturunterschiede zwischen den Vereinen.
Prognose bis 2030
- EM 2025-Effekte werden langfristig auf Nachwuchs & Sponsoren nachwirken.
- Die WSL (Oberste nationale Liga) wird noch stärker professionalisiert.
- Es wird zu mehr Infrastrukturinvestitionen kommen.
Gründe
- Grossanlässe erhöhen die Sichtbarkeit.
- Dadurch auch Interesse mehr Grossanlässe durchzuführen. Weil z.B. die EM 2025 messbare wirtschaftliche Effekte im Tourismussektor brachte.
- Wachsendes Interesse durch Nati-Erfolge.
Erwartete Entwicklung
- Wirtschaftliches Wachstum: mittel bis hoch.
- Infrastruktur: klar verbessert.
- Nachwuchs: kontinuierlich wachsend.
Die Schweiz als Land ist zwar ein wirtschaftlicher Riese – wird aber wie beim Männerfussball ein stabiler Entwicklungsraum für talentierte Spielerinnen bleiben. Stark durch Events wie die Frauenfussball EM 2025, aber weniger durch Liga-Grösse und Liga-Umsätze.
Zum Fürstentun Liechtenstein
Die Fussballerinnen des Fürstentums Liechtenstein haben im «Ländle» selbst relativ geringe Aussichten auf eine grosse Karriere.
Die Lage des Fürstentums spielt den Fussballerinnen insofern in die Karten, dass sie Dank der Nähe zu Deutschland, Österreich und der Schweiz gute Möglichkeiten haben sich in diesen Ländern zu etablieren.
Nicht ausser Acht lassen sollte man das Förderkonzept des Liechtensteinischen Fussballverbandes zur Förderung des Frauenfussballs. Da wird im Verband mit den Vorhandenen Mitteln gute Arbeit zum Wohle des Frauenfussballs geleistet.
Zu Deutschland
Wirtschaftlicher Trend: stark wachsend, zunehmend professionalisiert.
Zentrale Entwicklungen
- Die Frauen-Bundesliga professionalisiert sich schneller: mehr Sponsoring, höhere TV-Reichweiten und steigende Zuschauerzahlen.
- Integration in Männervereine bringt Infrastruktur-Boost (z. B. Trainingszentren, Marketing, medizinische Betreuung).
- Internationale Investitionen steigen – UEFA-Programme zielen auf professionelle Ligen und Spielerinnen bis 2030 ab.
Ökonomische Dynamik
- Mehr Einnahmen aus Medienrechten und Sponsoren.
- Spielerinnengehälter werden weiter ansteigen.
- Nachwuchsleistungszentren sorgen für langfristigen «Nachschub» an gut ausgebildeten Spielerinnen und so zugleich auch für wirtschaftliche Stabilität.
Herausforderungen
- Abhängigkeit von Männervereinen und deren Budgets.
- Noch grosse Einnahmenlücke gegenüber der englischen Frauen-Liga.
Prognose bis 2030
- Die Bundesliga wird vollprofessionell und auch die unteren Ligen werden professionell bzw. semi-professionell in fast allen Clubs werden.
- Einnahmen durch Medienrechte & Sponsoring deutlich höher.
- Zuschauerzahlen stabil wachsend.
Gründe
- Starke Vereinsstrukturen (z.B. Bayern, Wolfsburg, Frankfurt).
- Steigende Umsätze europäischer Topclubs, was wegen internationaler Spiele gegen diese auch zu Umsatzsteigerungen im Deutschen Frauenfussball führen wird.
- Wachsende Vermarktung und eigenständige Markenbildung.
Erwartete Entwicklung
- Wirtschaftliches Wachstum: hoch.
- Einnahmen durch Vermarktung von Medienrechten: stark steigend.
- Stadionauslastung: deutlich höher bei Topspielen, von denen es auch im Liga-Alltag immer mehr geben wird.
Deutschland ist im DACHLi-Vergleich der wirtschaftliche Motor – aber noch nicht auf europäischem Top-Niveau. Hier stehen Spanien und vor allem England noch gewaltig gross vor der Sonne.
Mein Fazit:
Bis 2030 erwarte ich ein stabiles und gesundes Wachstum. Deutschland wird im DACHLi-Vergleich der Frauenfussball-Motor bleiben, wird aber wohl noch nicht auf europäisches Top-Niveau kommen. Hier werden Spanien und vor allem England vor den Deutschen Frauen-Teams bleiben.
Geht die Entwicklung weiter wie bisher, werden die Stadien voller werden, die Lohnsummen in den Verträgen ansteigen und die Schlagzeilen in den Medien lauter.
Aber bitte, meine Lieben – wenn ihr jubelt, wenn ihr diskutiert, wenn ihr neue Rekorde feiert – dann denkt auch an die Frauen, welche früher ohne Scheinwerferglanz und Gloria gespielt haben.
Denn Fortschritt ist nur dann nachhaltig und schön, wenn man weiss, auf wessen Schultern man steht.
Und jetzt? Jetzt gehen wir wieder raus auf den Platz. Nicht vergessen, woher wir kommen – und mutig dahin laufen, wo wir hinwollen.
Mehr Frauenfussball
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Deine Frauenfussball Frau
Hilde Eisenfuss
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